Aus der Fishbowl
Auf der DHd2024 habe ich zum ersten Mal eine Fishbowl-Diskussion moderiert (und auch überhaupt eine erlebt). Dieser Post enthält einige Überlegungen zum Format im DHd-Kontext, inhaltliche folgen (hoffentlich) etwas später.
Die DHd-Variante entsprach am ehestem dem, was auf dem englischen Wikipedia-Artikel als open fishbowl bezeichnet wird:
[…] soll so ablaufen, dass es zu Beginn drei Diskutant:innen auf dem Podium sowie einen freien Stuhl gibt. Der freie Stuhl kann jederzeit von jeder Person aus dem Publikum besetzt werden, die dann mitdiskutiert. Wenn das passiert ist, macht eine andere Person einen Stuhl frei (idealerweise die Person, die bereits am meisten gesagt hat), so dass wieder jemand aus dem Publikum dazukommen kann.
Meine dreieinhalb Einsichten:
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Der Ablauf entsprach ungefähr dem, was mir jemand vorhergesagt hat: Die ersten 10 Minuten sind etwas träge, danach nimmt es Fahrt auf. Tatsächlich wurde es dann erstmal relativ hektisch, und hatte zwischendurch eher den Charakter einer Speaker’s Corner – auch interessant, aber halt etwas anderes. Es hat sich danach aber wieder etwas beruhigt. Ein zugespitzterer Einstieg hilft hier vielleicht, aber womöglich muss man den Ablauf so einfach einpreisen.
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Das Thema, über das wir diskutiert haben, war das Konferenzmotto – “Quo Vadis, DH?” – und damit maximal breit und offen. Darunter hat die Kohärenz der Diskussion etwas gelitten (aber ich weiß auch nicht, ob das nicht grundsätzlich am Format liegt). Ein engeres und klarer zugespitztes Thema wäre vermutlich besser geeignet, vielleicht sogar in einer Pro-/Contra-Variante. Einige konkrete Fragen oder Aspekte per Beamer an die Wand zu werfen hatte ich im Vorfeld überlegt, und es wäre m.E. eine gute Idee gewesen. Hier wäre vielleicht auch ein Moderationsduo denkbar, um etwas mehr steuern zu können (oder jemand mit viel Moderationserfahrung).
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Darauf hat man nur Bedingt Einfluss bei einer Konferenzorganisation, aber dass viele Teilnehmer:innen recht schnell wieder weg wollten, hatte viel mit der Raumsituation zu tun. Die theaterbühnenähnliche Situation ist einfach etwas speziell. Wenn es geht, wäre ein Raum, bei dem Publikum und Podium weniger stark getrennt sind, einfacher.
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Am Ende hätte ich noch viel zu sagen gehabt, aber länger als 90 Minuten sollte man das auch nicht machen.
Es gibt Aspekte, die aus meiner Warte sehr gut funktioniert haben: Es kamen sehr viele sehr unterschiedliche Leute zu Wort, und haben ihre jeweils eigene Perspektive eingebracht. Der Austausch wurde nicht von einigen wenigen dominiert, sondern hat die Pluralität in der DH(d)-Community ganz gut repräsentiert. Mangelnde Lebhaftigkeit oder gar Langeweile kann man dem Format auch nicht vorwerfen, und dass wir zwischendurch bei einer Art “DH und ich”-Nabelschau angekommen sind, wäre ja auch nicht passiert, wenn niemand etwas dazu zu sagen gehabt hätte. Das kann man schon nochmal machen.
Zum Schluss: Danke an die lokalen Organsiator:innen, ganz besonders Thomas Haider, dass Ihr mich das habt moderieren lassen, und danke an alle Teilnehmer:innen, dass Ihr Euch in die Bowl getraut habt.